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Vor dem Lesen des Buches von Noah Sow wäre ich vermutlich in der Lage gewesen einem Schwarzen Menschen, der mir sein Leid wegen Rassismus in Deutschland klagt, ignorant damit zu trösten, dass ich mich sehr gut in ihn hinein fühlen könne. Schließlich kenne ich mich in Sachen Diskriminierung aus: Ich bin schwul.
Soweit meine Logik.
Die Logik der Autorin Noah Sow schaut anders aus. Und sie hat Recht! Denn das eine ist Rassismus und das andere Homophobie. Diese beiden „Spielarten“ von Hass lassen sich weder vergleichen noch gegeneinander aufwiegen. Ein weißer Mensch kann nicht nachfühlen, wie sich ein Schwarzer Mensch in einer weißen Mehrheitsgesellschaft fühlt. Genauso wenig, kann ein Hetero beurteilen, wie gut oder schlecht es sich als Homo in einer heterosexuell orientierten Mehrheitsgesellschaft lebt. Wenn überhaupt jemand Vergleiche anstellen kann und darf, dann ein „Schwarzer Schwuler“, denn er ist Opfer beider Anfeindungen. Übrigens ist weder das Wort Schwarz noch das Wort Schwuler eine Beleidigung, da diese Bezeichnungen von den Bezeichneten selbst gewählt wurden und somit keine beleidigende Fremdbenennungen (mehr) darstellen. Also nur Mut zur Aussprache!
Warst Du wie ich bislang der Meinung, dass es Rassismus in Deutschland so nicht gibt? Du denkst Rassismus ist kein Alltagsphänomen sondern ausschließliches Gedankengut von braunen Nazigruppen? Dir ist der Gedanke fremd, dass ein Deutscher auch Schwarz sein kann und würdest am liebsten jeden Schwarzen gleich beim ersten Treffen bezüglich seiner Herkunft interviewen und annehmen, wenn er Ludwigsburg sagt, dass er adoptiert ist? Du findest, dass Schwarze-Diener-Figuren koloniale Romantik verströmen und deshalb beim besten Willen nicht rassistisch sind? Und überhaupt, DU KANNST NICHT rassistisch sein, denn schließlich bist du Vater einer afroamerikanischen Tochter und hast damit einen Freifahrtsschein?
Dann geht es dir ähnlich wie mir.
Du wirst überrascht sein, wie sehr uns der Rassismus schon in Fleisch und Blut übergegangen ist: Presse, Fernsehen, Justiz, alltägliches Miteinander. Überall verstecken sich Rassismen und wir bemerken sie nicht, weil uns die Vorurteile quasi mit der Muttermilch verabreicht wurden. Aufgrund unserer Erziehung finden wir deshalb in der Regel auch nichts schlimmes dabei, wenn eine Schwarzer-Diener-Figur bei uns im Wohnzimmer die CD-Sammlung hält. Bei einer Zwangsarbeiterfigur bekämen wir das große Entsetzen… Das ist was anderes?
Im Buch „Deutschland Schwarz weiß – Der alltägliche Rassismus“ klärt die Autorin Noah Sow in einer direkten, unverblümten und deutlichen Sprache auf, warum es nichts anderes ist. Sie zeigt auf, wo in unserer Gesellschaft Schwarze offen oder versteckt diskriminiert werden und macht deutlich, warum die Aussage „du bist ja gar nicht richtig schwarz, eher braun“ ebenso rassistisch ist, wie das „N“-Wort. Und ganz wichtig: Sie macht Mut. Mut sich noch gleich heute auf den Weg zu einem rassismusfreien Miteinander zu machen…
Deutschland Schwarz weiß. Ein Buch das jeder weiße gelesen haben sollte.
Die Wege als schwuler Mann Vater zu werden sind vielfältig – und sie sind in der Regel voll mit in den Weg geräumten Steinen. Nicht selten ist die Route zum „Country of the heart“, so wird das Wort Familie auf dem Buchcover definiert, unendlich lang. David Strah berichtet mit Susanna Margolis in seinem Buch „Gay Dads – A celebration of Fatherhood“ von diesen Wegen.
24 Familien – eine davon ist Davids – erzählen wie sie zur Familie wurden:
Durch nationale oder internationale Adoption, durch Leihmütter oder gar in einer Schwul-lesbischen Koproduktion. Manche Familie habe ich wirklich für ihren Mut und Ausdauer bewundert. Allen Widrigkeiten und Vorurteilen zum Trotz kamen sie ans Ziel.
Obwohl das Buch lediglich über US-Familien berichtet und nur in englischer Sprache erhältlich ist, hat es mir doch gut gefallen. Vor allem überrascht, dass die Erfahrungen der Homofamilien mit der heterosexuellen Nachbarschaft hauptsächlich positiv sind. Das hätte ich von einem wohl eher konservativen Amerika nicht erwartet. Aber es ist vermutlich wie überall, man muss in die richtige Richtung schauen.
Das Buch gibt es bei Amazon.de zu kaufen.
