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Post aus Amerika

Am Freitag war das Päckchen in der Post. Seither habe ich den Film dreimal gesehen. Das will was heißen. Es war ein bisschen wie in den Spiegel schauen.
Der 57-minütige englischsprachige* Film beginnt so:
„Als ich aufwuchs wurde mir klar, dass ich niemals Vater werden würde. Ich wusste Leute wie ich können keine eigenen Kinder bekommen. Und ich war mir sicher, wenn ich es doch irgendwie schaffen würde, die Photos meiner Familie würden nicht stolz an einer Wand hängen. Nichts von dem sollte sich als wahr herausstellen.“

Bild: daddyandpapa.com

Die Dokumentation „Daddy & Papa“ von Johnny Symons stellt die Frage, was ist, wenn sich deine umstrittenste Handlung, als die traditionellste der Welt herausstellt und erzählt die Geschichten vierer schwulen Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Ein weißer Amerikaner wird vorgestellt. Single und trotzdem bereit ein fremdrassiges und deshalb schwer vermittelbares Geschwisterpaar aus dem staatlichen Pflegekindersystem bei sich aufzunehmen und zu adoptieren. Ein anderes Gay Couple wurde bereits vor neun Jahren durch eine Leihmutter zu Vätern und ist zwischenzeitlich geschieden. Hier war es toll, dass auch die Tochter zu Wort kam und erzählte, wie sie das ganze 2-Väter-Ding sieht. Bemerkenswert fand ich dabei, dass die Scheidung wohl schwerer wog, als die Tatsache zwei Väter zu haben.

Der 8-jährige Afro-Amerikaner Oscar wurde von seinem schwulen Vormund aufgenommen, als sein leiblicher Vater ihn aufgab. Die beiden haben ein richtiges Vater-Sohn-Verhältnis entwickelt. Oscar fühlt sich zum ersten Mal in seinem Leben aufgehoben. Vorher wurde er zwischen seinen Großeltern und seinem leiblichen Vater hin und her geschoben. Trotzdem verbietet das strikte Adoptionsrecht Floridas die Adoption durch einen schwulen Mann und entzieht Oscar somit die Chance auch rechtlich durch seinen „gefühlten“ Vater abgesichert zu sein.

Die vierte Geschichte ist die Geschichte des Filmemachers selbst und seinen Partner William Rogers. Die beiden adoptieren ein afro-amerikanisches Baby. Wie mein Mann und ich. Wahrscheinlich betrachte ich den Film deshalb etwas emotionaler. Johnny und William jedenfalls fühlten sich irgendwann in der heterosexuellen Familienwelt etwas alleine und suchten Anschluss in der schwulen Szene. Doch auch hier scheint die Tatsache, dass es schwule Familien mit Kindern gibt, noch nicht richtig angekommen zu sein. Das zeigte sich ganz deutlich an einem „Gay Day“ eines Freizeitparks. Zwar wurde für das Kind der volle Eintrittspreis verlangt, die Fahrgeschäfte für die kleinen Parkbesucher waren aber allesamt geschlossen…

„Daddy & Papa“ ist wirklich eine interessant gestaltete Dokumentation und war in Amerika für mehrere Filmpreise nominiert. Soweit mir bekannt ist, gibt es in Deutschland keinen vergleichbaren Film. Er sprach uns teilweise richtig aus dem Herzen. Denn auch wir stellen uns natürlich Fragen wie: Was wird wohl die größte Herausforderung für unsere Tochter sein? Zwei Väter zu haben? Adoptiert zu sein? Als schwarze Frau in einer rassistischen Gesellschaft zu leben? Wir können ihr beibringen, wie sie der Ignoranz der Leute begegnen kann. Wir können sie aber nicht davor bewahren verletzt zu werden… Und die Frage die wohl am meisten verletzen kann ist diese: „Ist sie Ihre ´richtige´ Tochter?

Wenn ihr euch weiter über den Film informieren wollt: Hier der Link zur offiziellen Homepage von “Daddy and Papa” und/oder hier ein Filmausschnitt.

* Übersetzungsfehler bitte ich deshalb zu entschuldigen.

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