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Irgendwie fühlte ich mich beobachtet. Ich stand am Wickeltisch und tupfte meine Kleine trocken als mich dieses komische Gefühl überfiel. Es steckte in meinem Rücken und verließ mich auch nicht, als ich der Süßen eine neue Windel anzog. Das ordentliche Schließen der selbstklebenden Flügeln an den Windelseiten klappt jetzt übrigens wie im Schlaf. Früher brauchte ich dafür mindestens zehn Anläufe. Erst dann hatte ich das Ding für den Fall der Fälle dicht. Als ich meine Kleine hochnehmen wollte, viel mein Blick kurz aus dem Dachfenster. Da saß er und gaffte. Mein Beobachter. Mit gedrehtem Kopf. Kein Unbekannter. Erst gestern hatte ich ihm an anderer Stelle zugeschaut, wie er herumstolzierte, sich unsäglich aufblies und versuchte den Weibern zu imponieren.
Der Tauber mit dem weißen Scheitel.
Minutenlang schaute er durch das Fenster ins Zimmer. Er störte sich auch nicht daran, als ich anfing Fotos von ihm zu schießen. Es schien als wollte er mir zeigen, wie es sich anfühlt, wenn der große Bruder schaut. Oder ihm missfiel, wie ich mich am Nachmittag über seinen verunglückten Artgenossen lustig machte, indem ich das Resultat des Unfalls „Mousse au Pigeon“ taufte.
Das blonde Mädchen hat das arme Geschöpf übrigens nicht mit dem Hufeisen erschlagen, auch wenn das Foto dies glauben machen könnte. Die Taube kam schon vorher unter die Räder oder die Hufe. Davon gab es heute beim Umzug des Ludwigsburger Pferdemarktes ja genug.
Übrigens ist es falsch, daß das Handy eine Erfindung unserer Zeit ist. Schon die einfache Marktfrau früherer Jahrhunderte war mit dem mobilen Telefon vertraut. Glaubst Du nicht? Hier das Beweisfoto:
Die feine Dame von Welt nimmt des Menschen besten Freund mit auf das hohe Ross.
Aber zurück zu meinem Beobachter. Was wollten mir diese stechenden, orangen Augen sagen? Wahrscheinlich war es Zufall. So wie es Zufall war, dass wir auf den Umzug gestoßen sind…
Wie jedes Jahr nutzten wir auch in diesem unsere BlüBa-Dauerkarte um uns die Barocken Gartentage anzuschauen. Die Veranstaltung die heute begonnen hat und noch bis zum 04. Mai andauert, ist scheinbar größer geworden, denn die Anzahl der Stände ist gewachsen. Eigentlich ist es reine Selbstgeißelung sich das Jahr um Jahr anzutun, denn vieles der tollen Gartenideen lässt sich einfach auf einer Dachterrasse oder Balkon nicht verwirklichen. Wie zum Beispiel dieser wundervolle künstliche Bachlauf.
Ansonsten gab es wieder einige Künstler, die Figuren, Sitzgelegenheiten oder sonst Nützliches für den Garten aus Stein, Eisen, Holz oder Weiden, Ton und sonst allen möglichen Materialien herstellen. Vieles nicht ganz günstig, aber so ist es ja oft bei Kunst. Natürlich fehlten auch die Stände der Gärtnergeschäfte nicht, die allerlei Blühendes, Duftendes oder Gesundes für den Kräutergarten verkauften. Hier gab es durchaus auch das eine oder andere Pflänzchen, das zu gewöhnlichen Gartencenterpreisen verkauft wurde. Trotzdem und darauf sind wir stolz, haben wir keinen Cent ausgegeben. Als Familienväter sitzt der Euro eben nicht mehr ganz so locker.
Gehört zum Schloss, gab´s deshalb nicht zu kaufen.
Um dem großen Besucheransturm auszuweichen, sind wir bereits am Vormittag hingegangen. Die Idee hatten wohl auch andere Besucher, denn wirklich alleine waren wir nicht dort. Auch war das Wetter nicht beständig. In weiser Vorahnung drängte mein Mann zum Nachhausegehen. Keine Minute zu früh, wie sich herausstellen sollte. Denn kurz vor dem Regen waren wir wieder zu Hause.
Mit dem heutigen Hintergrundmotiv des Daily Pic habe ich mich etwas schwer getan. Über eine Woche bin ich zwangsläufig zweimal täglich an dem Werbeplakat von „Nachtcafé“ vorbeigefahren. Als regelmäßiger Zuschauer der Sendung und natürlich auch um die Fotohintergründe einigermaßen abwechslungsreich zu gestalten, wollte ich mich unbedingt davor knipsen. Nur kam ich mir bei dem Gedanken, mich an die Hauptverkehrsstraße zu stellen und mich selbst zu photographieren blöd vor, zumal das Plakat nahe an einer Ampel positioniert wurde. Die Leute in den Autos hatten also Zeit mich anzuglotzen und sich zu wundern: „Was macht denn der Spinner da?“
Ich fuhr also täglich daran vorbei ohne, wie ich es mir fest vorgenommen hatte, anzuhalten um das Foto zu machen. Bislang machte ich auch immer den Tag über ein „Ersatzfoto“, für den Fall, dass ich doch nicht anhalten würde. Darauf verzichtete ich heute bewusst. Auf dem Spaziergang mit Caramel habe ich nicht mein Handy gezückt und auf den Auslöser gedrückt. Nein, heute würde ich mutig sein, komme was da wolle! Wenn nicht heute am Freitag, wann dann? Heute Abend ist nämlich wieder im SWR3 um 22.00 Uhr Austrahlungstermin von „Nachtcafé“ mit Wieland Backes. Eine Talkshow die im Ludwigsburger Lust- und Jagdschloss Favorite aufgezeichnet wird.
Vor ein paar Monaten haben wir das kleine verspielte Schlösschen erstmalig von Innen besichtigt. Dabei wurde mir auch klar, warum Eintrittskarten für die Aufzeichnung nicht käuflich sind. Diese werden nämlich verlost. Man muss eine Postkarte an den SWR schreiben und mit etwas Glück gewinnt man dann zwei Tickets. Meine Postkarten, die ich vor ein paar Jahren verschickt hatte, waren nicht unter den glücklichen Gewinnern. Vielleicht sollte ich bald mal wieder ein Kärtchen schreiben. Im Fernsehen sieht der Raum in welchem die Sendung aufgenommen wird groß aus – ja fast riesig. In der Realität fragt man sich schon, wo denn die ganzen Kameras stehen, die Gäste und die Zuschauer sitzen. Winzig klein ist es dort! Also kein Wunder, dass es nur so wenige Eintrittsarten gibt. „Nachtcafé“ ist übrigens keine Talkshow im Format der Privatsender. Es geht „ruhiger“ und „sittlicher“ zu. Und, heute entdeckt: „Nachtcafé“ goes modern! Ausschnitte kann man sich als Podcast downloaden. Das werde ich jetzt vielleicht gleich mal tun.













